Am Freitag, dem 25. September 2026, hat Microsoft seiner Copilot-App das grösste Update seit ihrer Einführung verpasst, und mit "Code" sowie "Autopilot" gleich zwei Werkzeuge vorgestellt, die zusammen als Microsoft Copilot Code Autopilot für Schlagzeilen sorgen. Während Millionen Büro-Angestellte bislang zwischen Chat-Fenster, Word-Dokument und Excel-Tabelle wechselten, soll Copilot nun zur zentralen Anlaufstelle werden, in der Texte entstehen, Software gebaut wird und KI-Agenten eigenständig Aufgaben erledigen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Der Konkurrenzdruck durch ChatGPT von OpenAI und Claude von Anthropic wächst, und Microsoft will mit einem Rundumschlag Boden zurückgewinnen [1][2].
Inhaltsverzeichnis
Key Takeaways
- Microsoft hat am 25. September 2026 "Code" und "Autopilot" als neue Bestandteile der Copilot-App vorgestellt, dazu die direkte Integration von Word, Excel und PowerPoint [1][3].
- "Code" ermöglicht das Bauen von Apps und Dashboards per natürlicher Sprache und basiert auf der Technologie von GitHub Copilot; der Rollout startet Ende September 2026 für Early-Access-Kunden [1][2].
- "Autopilot" ist die Weiterentwicklung des im Juni 2026 vorgestellten Agenten "Scout" und erhält eine eigene Identität im Firmenverzeichnis samt steuerbaren Berechtigungen [2][3].
- Die neuen Bereiche Cowork, Code und Autopilot werden nutzungsbasiert abgerechnet, ein Bruch mit dem bisherigen Festpreis von 30 US-Dollar pro Nutzer und Monat [2].
- Microsoft positioniert Copilot damit klar als Konkurrenzprodukt zu ChatGPT und Claude und verfolgt Satya Nadellas Vision einer Copilot-"Super-App" [2].
Was ist neu bei Microsoft Copilot Code Autopilot
Im Zentrum des Updates stehen zwei Funktionen, die unterschiedliche Nutzergruppen ansprechen sollen, aber gemeinsam das Fundament für Microsoft Copilot Code Autopilot bilden: ein Coding-Werkzeug für alle und ein Agent, der eigenständig mitarbeitet.
Wer sich generell fuer die Orchestrierung mehrerer KI-Agenten interessiert, findet in unserem Beitrag zu Paperclip, einer Open-Source-Plattform fuer KI-Agenten-Teams, weiterfuehrende Einblicke.
"Code": Apps bauen ohne Programmierkenntnisse
Mit "Code" führt Microsoft ein Werkzeug ein, das Nutzern erlaubt, per natürlichsprachlichen Prompts Apps, Dashboards und weitere Software zu erstellen [1]. Die Technologie dahinter ist dieselbe, die auch GitHub Copilot antreibt, allerdings nicht als eigenständiges Entwickler-Tool, sondern eingebettet in die Microsoft-365-Copilot-Umgebung für Büro-Anwender [2]. Damit richtet sich "Code" explizit auch an sogenannte Citizen Developer: Mitarbeitende ohne klassische Programmierausbildung, die trotzdem funktionale Software bauen wollen, etwa ein internes Tracking-Tool oder ein einfaches Reporting-Dashboard.
Wichtig für IT-Abteilungen: Die durch "Code" erzeugten Anwendungen laufen in einer gesicherten, abgeschotteten Umgebung innerhalb des jeweiligen Firmen-Tenants. Das soll verhindern, dass selbst gebaute Apps unkontrolliert Daten nach aussen tragen oder Sicherheitslücken öffnen.
Der Rollout erfolgt gestaffelt:
| Phase | Zielgruppe | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Frontier-Programm / Early Access | Ausgewählte Kunden | Ende September 2026 |
| Vorschau | 365 Premium- und Pro-Abonnenten | Später im Jahr 2026 |
Diese gestaffelte Einführung ist typisch für Microsofts Vorgehen bei sicherheitskritischen KI-Funktionen: Zunächst testen wenige, kontrollierte Kundengruppen, bevor eine breitere Freigabe folgt [1][2].
"Autopilot": Der ständig aktive digitale Mitarbeiter
Die zweite grosse Neuerung ist "Autopilot", ein ständig aktiver, proaktiver KI-Agent. Er ist die direkte Weiterentwicklung von "Scout", einem Agenten, den Microsoft bereits im Juni 2026 vorgestellt hatte [2][3]. Der Namenswechsel signalisiert einen Reifegrad: Wo "Scout" eher explorativ agierte, soll "Autopilot" tatsächlich Aufgaben im Hintergrund erledigen, ohne dass Nutzer jeden Schritt anstossen müssen.
Bemerkenswert ist die organisatorische Einbettung: Autopilot soll als "digitaler Mitarbeiter" eine eigene Identität im Firmenverzeichnis, dem company directory, erhalten [2]. Das bedeutet, der Agent wird technisch ähnlich behandelt wie ein menschlicher Mitarbeiter mit Benutzerkonto, jedoch mit spezifischen, von den Nutzern steuerbaren Berechtigungen. Diese Granularität bei Rechten und Zugriffen ist eine direkte Antwort auf ein Problem, das viele Unternehmen bislang von der breiten Einführung von KI-Agenten abgehalten hat.
Ab Ende September 2026 geht Autopilot in eine private Preview-Phase, ist also zunächst nur einem begrenzten Kreis von Testkunden zugänglich [2][3].
Hintergrund und Strategie: Microsoft Copilot Code Autopilot im Wettbewerb mit ChatGPT und Claude
Das Update ist mehr als eine Funktionserweiterung, es ist eine strategische Neupositionierung. Microsoft 365 Copilot soll zu einem "one-stop shop" für Bürotätigkeiten werden [1][2]. Damit tritt Microsoft in direkte Konkurrenz zu OpenAIs ChatGPT und Anthropics Claude, die beide zunehmend auch im Unternehmensumfeld Fuss fassen.
Der entscheidende Unterschied zu früheren Copilot-Versionen liegt in der Integration: Word, Excel und PowerPoint werden direkt in Copilot eingebunden, sodass Nutzer kollaborativ in diesen Anwendungen arbeiten können, ohne die App zu verlassen [1]. Statt zwischen Chat-Oberfläche und Office-Programm zu wechseln, entsteht ein durchgängiger Arbeitsfluss.
Nadellas Super-App-Vision
Diese Entwicklung folgt einer Ankündigung von CEO Satya Nadella, der im Juni 2026 von einer zukünftigen Copilot-"Super-App" gesprochen hatte [2]. Bislang bot Microsoft 365 Copilot getrennt von seinem GitHub-Copilot-Coding-Agenten an, zwei Produkte für zwei unterschiedliche Zielgruppen. Mit "Code" verschwimmt diese Trennlinie: Coding-Fähigkeiten wandern in die Büro-Anwendung hinein, ohne dass Microsoft GitHub Copilot als eigenständiges Produkt aufgibt.
"Es sei für viele Organisationen schwierig gewesen, KI-Agenten wegen Sicherheits-, Compliance- und Governance-Bedenken im Unternehmen einzuführen", sagte Annie Pearl, Corporate Vice President of Copilot Product bei Microsoft, gegenüber Reuters [2].
Diese Aussage erklärt, warum Microsoft bei Autopilot so viel Wert auf Identitätsmanagement und granulare Berechtigungen legt. Das Ziel ist explizit Enterprise-Tauglichkeit, ein Produkt, das IT-Abteilungen kontrollieren können, statt ein Blackbox-Werkzeug, das unkontrolliert im Unternehmen wuchert.
Preismodell: Nutzungsbasierte Abrechnung als Bruch mit dem bisherigen Ansatz
Bislang kostet das kommerzielle Microsoft 365 Copilot 30 US-Dollar pro Nutzer und Monat, ein klassisches Abo-Modell mit fixem Preis unabhängig von der tatsächlichen Nutzung [2]. Mit dem neuen Update ändert sich das für die neuen Bereiche grundlegend: Die Cowork-, Code- und Autopilot-Funktionen sollen nutzungsbasiert abgerechnet werden, ähnlich wie es bei anderen KI-Produkten mittlerweile üblich ist [2].
Diese Umstellung hat praktische Konsequenzen für Unternehmen:
- Budgetplanung wird variabler. Statt eines planbaren Fixbetrags pro Kopf müssen IT- und Finanzabteilungen mit schwankenden Kosten je nach tatsächlichem Einsatz von Agenten und Code-Generierung rechnen.
- Intensivnutzer zahlen mehr. Teams, die Autopilot ständig im Hintergrund laufen lassen oder häufig Apps per "Code" bauen, werden höhere Kosten verursachen als Gelegenheitsnutzer.
- Governance wird zum Kostenfaktor. Da Autopilot eine eigene Identität mit Berechtigungen erhält, müssen Unternehmen auch die Nutzung dieser digitalen Identität im Blick behalten, nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch finanziell.
Jacob Andreou, Executive Vice President für Copilot bei Microsoft, ordnete diese Prioritäten gegenüber CNBC so ein:
"Man halte eine sehr hohe Messlatte an, das Produkt sei dann am besten, wenn es rein auf Nutzerwert und Ausgabequalität optimiere; Kosteneffizienz sei zweitrangig" [2].
Diese Aussage signalisiert, dass Microsoft bei der Weiterentwicklung von Code und Autopilot zunächst auf Qualität und Funktionsumfang setzt, nicht auf möglichst geringe Rechenkosten, ein Hinweis darauf, dass Microsoft bereit ist, in die Weiterentwicklung erheblich zu investieren, um im Wettbewerb mit ChatGPT und Claude zu bestehen.
Stimmen aus der Praxis: Erste Erfahrungen mit Copilot Cowork
Während Code und Autopilot noch am Anfang ihres Rollouts stehen, gibt es bereits erste Praxiserfahrungen mit einem verwandten Feature, "Copilot Cowork". David McLaren, Enterprise Data & AI Leader beim Beratungsunternehmen GHD, berichtete, sein Unternehmen habe Microsoft Copilot an 12.000 Mitarbeitende ausgegeben. Etwa 200 davon testeten bereits Copilot Cowork für komplexere Aufgaben [2].
Diese Zahlen sind aufschlussreich: Sie zeigen, dass grosse Organisationen Copilot bereits breit ausgerollt haben, komplexere agentische Funktionen aber zunächst nur in kleineren Pilotgruppen erproben. Das passt zum gestaffelten Rollout-Ansatz, den Microsoft auch bei Code und Autopilot verfolgt, vorsichtige Testphasen vor der Breitenverfügbarkeit.
Ausblick und Rollout-Zeitplan für Microsoft Copilot Code Autopilot
Der Zeitplan für die Einführung von Microsoft Copilot Code Autopilot lässt sich in mehrere Phasen unterteilen:
- Ende September 2026: "Code" startet für Early-Access-Kunden im Rahmen des Frontier-Programms. Gleichzeitig geht "Autopilot" in die private Preview-Phase [1][2].
- Später im Jahr 2026: 365 Premium- und Pro-Abonnenten erhalten eine Vorschau auf "Code" [1].
- Unklar/offen: Ein konkreter Termin für die allgemeine Verfügbarkeit von Autopilot ausserhalb der Preview-Phase wurde bislang nicht kommuniziert.
Diese Staffelung deutet darauf hin, dass Microsoft aus früheren Einführungen von KI-Agenten gelernt hat und bewusst Zeit für Feedback und Nachbesserungen einplant, bevor die Funktionen einer breiten Nutzerbasis zur Verfügung stehen.
Einordnung für Entwickler und Unternehmen
Was bedeutet das für IT-Entscheider
Für IT-Abteilungen und Entscheider bringt Microsoft Copilot Code Autopilot vor allem zwei neue Herausforderungen: Governance und Kostenkontrolle. Da Autopilot als digitale Identität im Firmenverzeichnis auftritt, müssen Unternehmen klare Richtlinien für Berechtigungsvergabe entwickeln, wer darf welchem Agenten welche Zugriffsrechte einräumen, und wie wird das überwacht? Gleichzeitig erfordert das nutzungsbasierte Preismodell neue Monitoring-Prozesse, um Kosten nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.
Was bedeutet das für Entwickler und Citizen Developer
Für professionelle Entwickler bleibt GitHub Copilot als eigenständiges Werkzeug weiterhin relevant, "Code" ersetzt es nicht, sondern bringt ähnliche Fähigkeiten in einen anderen Kontext. Für Citizen Developer, also Fachanwender ohne Programmierhintergrund, eröffnet "Code" hingegen neue Möglichkeiten: Einfache interne Tools und Dashboards lassen sich potenziell ohne IT-Abteilung erstellen. Das kann Entwicklungszyklen verkürzen, erfordert aber auch klare Regeln, damit selbst gebaute Anwendungen nicht unkontrolliert in Unternehmensprozesse eingreifen.
Fazit: Microsoft Copilot Code Autopilot als nächster Schritt in der KI-Agenten-Strategie
Mit Code und Autopilot verfolgt Microsoft einen klaren Plan: Copilot soll vom reinen Chat-Assistenten zu einer umfassenden Arbeitsplattform werden, die Coding, Büro-Anwendungen und autonome Agenten unter einem Dach vereint. Der Wettbewerb mit ChatGPT und Claude treibt dieses Tempo, und Satya Nadellas Vision einer Copilot-Super-App nimmt mit diesem Update konkrete Formen an.
Für Unternehmen und Entwickler bedeutet das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich mit den neuen Governance-Anforderungen und dem veränderten Preismodell auseinanderzusetzen, bevor Code und Autopilot die private Preview-Phase verlassen. Wer frühzeitig Richtlinien für den Umgang mit digitalen Agenten-Identitäten entwickelt und Testgruppen für die neuen Funktionen einrichtet, wird beim breiteren Rollout im Laufe des Jahres 2026 einen klaren Vorteil haben. Wer abwartet, sollte zumindest die Ankündigungen von Microsoft aufmerksam verfolgen, da sich Rollout-Termine und Funktionsumfang in dieser frühen Phase noch ändern können.
References
[1] Introducing The New Copilot With Home Code And Autopilot – https://blogs.microsoft.com/blog/2026/09/25/introducing-the-new-copilot-with-home-code-and-autopilot/ [2] Microsoft Copilot Ai Coding Anthropic – https://www.cnbc.com/2026/09/25/microsoft-copilot-ai-coding-anthropic.html [3] New Microsoft Copilot Brings Home Code And Autopilot Together – https://news.microsoft.com/source/emea/2026/09/new-microsoft-copilot-brings-home-code-and-autopilot-together/




