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Standard Chartered bringt Krypto-Verwahrung nach Singapur
Standard Chartered Bank hat am 8. Oktober 2026 angekündigt, Custody-Services (Verwahrung) für ausgewählte Kryptowährungen, Stablecoins und tokenisierte Real-World-Assets für institutionelle Kunden und akkreditierte Unternehmensinvestoren in Singapur anzubieten. Das Angebot steht vorbehaltlich regulatorischer Genehmigung und markiert einen weiteren Schritt in der globalen Expansionsstrategie der Bank im Bereich digitaler Vermögenswerte.
Die Verwahrdienste laufen über den Custody-Arm Zodia Custody. Standard Chartered hatte im Mai 2026 vereinbart, den verbleibenden Anteil an Zodia Custody zu übernehmen – ein Unternehmen, das die Bank ursprünglich gemeinsam mit Northern Trust gegründet hatte. Mit der vollständigen Kontrolle über Zodia kann Standard Chartered nun die Infrastruktur direkter in neue Märkte ausrollen.
Singapur als nächster Baustein der globalen Expansion
Standard Chartered bietet Krypto-Custody-Dienstleistungen bereits in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Luxemburg und Hongkong an. Singapur ist damit der nächste logische Schritt im Aufbau eines globalen Netzwerks regulierter Verwahrstandorte für digitale Vermögenswerte. Die Stadt gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Finanz- und Innovationshubs Asiens und hat mit der Monetary Authority of Singapore (MAS) ein vergleichsweise ausdifferenziertes regulatorisches Umfeld für digitale Vermögenswerte geschaffen.
Ying Ying Tan, Global Head of Digital Assets and Securities Services bei Standard Chartered, erklärte, man beobachte ein wachsendes institutionelles Interesse an tokenisierten Fonds, Exchange Traded Funds (ETFs) und Edelmetallen. Diese Aussage unterstreicht, dass sich der Fokus der Bank nicht allein auf klassische Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether beschränkt, sondern gezielt auf die breitere Tokenisierung realer Vermögenswerte abzielt.
Patrick Lee, Singapur-CEO von Standard Chartered, betonte die Rolle des Stadtstaats als Finanz- und Innovationshub. Die Positionierung Singapurs als regulatorisch stabiler Standort für institutionelle digitale Vermögenswerte dürfte für Standard Chartered ein wichtiges Argument gewesen sein, den Markt als nächsten Expansionsschritt zu wählen.
RLUSD-Custody-Launch: Live-Start mit Ripple auf dem XRP Ledger
Nur vier Tage nach der Ankündigung der Singapur-Expansion folgte am 12. Oktober 2026 der nächste konkrete Schritt: Standard Chartered hat live Custody-Dienste für Ripples RLUSD-Stablecoin auf dem XRP Ledger gestartet. Der Launch erfolgt über die DIFC-Zweigstelle (Dubai International Financial Centre) der Bank in Dubai, die durch die Dubai Financial Services Authority (DFSA) reguliert wird.
Damit kann Standard Chartered institutionellen Kunden eine regulierte Verwahrlösung für einen der prominentesten Stablecoins im XRP-Ledger-Ökosystem anbieten. RLUSD, von Ripple ausgegeben, positioniert sich zunehmend als Brücke zwischen traditioneller Finanzinfrastruktur und blockchain-basierten Abwicklungssystemen.
Kooperation mit Ripple und LMAX Group: RLUSD als Collateral
Parallel zum Custody-Launch kündigten Standard Chartered, Ripple und die LMAX Group eine Zusammenarbeit an, um RLUSD als zulässiges Collateral (Besicherung) für institutionellen Handel einzuführen. Konkret wird das sogenannte “Collateral Mirroring Model” von Standard Chartered – ein Mechanismus, der Sicherheiten zwischen unterschiedlichen Handelsplattformen und Verwahrstellen spiegelt – auf die LMAX Group ausgeweitet.
Dieses Modell soll institutionellen Marktteilnehmern erlauben, RLUSD als Sicherheit für Handelspositionen zu nutzen, ohne dass die Vermögenswerte physisch zwischen Handelsplatz und Verwahrstelle bewegt werden müssen. Das reduziert operative Reibung, Abwicklungsrisiken und Kapitalbindung – Faktoren, die für institutionelle Handelsabteilungen zentral sind.
Jack McDonald, Senior Vice President Stablecoins bei Ripple, betonte, dass RLUSD genau für diesen institutionellen Anwendungsfall konzipiert worden sei. Die Aussage positioniert RLUSD explizit als Infrastrukturkomponente für regulierte, institutionelle Finanzmärkte – nicht primär als Retail-orientierten Stablecoin für Endverbraucher.
Was ist Zodia Custody?
Zodia Custody wurde ursprünglich als Gemeinschaftsunternehmen von Standard Chartered und Northern Trust gegründet, um institutionellen Kunden eine regulierte Verwahrlösung für digitale Vermögenswerte anzubieten. Mit der im Mai 2026 vereinbarten vollständigen Übernahme durch Standard Chartered hat die Bank ihre Kontrolle über die Custody-Infrastruktur konsolidiert. Das erlaubt es ihr, Verwahrdienste konsistent über mehrere Jurisdiktionen hinweg – von Dubai über Luxemburg bis Hongkong und künftig Singapur – unter einer einheitlichen Governance-Struktur anzubieten.
Was ist RLUSD?
RLUSD ist ein von Ripple ausgegebener Stablecoin, der auf dem XRP Ledger sowie auf Ethereum verfügbar ist. Anders als viele Retail-orientierte Stablecoins zielt RLUSD gezielt auf institutionelle Anwendungsfälle ab: Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen, Liquiditätsmanagement und – wie die jüngste Ankündigung zeigt – als Collateral für den institutionellen Handel. Die Zusammenarbeit mit etablierten Bankinstituten wie Standard Chartered soll RLUSD regulatorische Glaubwürdigkeit und Zugang zu traditionellen Finanzmarktinfrastrukturen verschaffen.
Bedeutung für institutionelle Marktteilnehmer
Für institutionelle Handelsabteilungen, Hedgefonds und Vermögensverwalter lösen Custody-Dienste wie die von Standard Chartered ein zentrales Problem: Viele regulierte Institutionen dürfen digitale Vermögenswerte nur dann halten oder handeln, wenn sie über eine Verwahrstelle verfügen, die den gleichen aufsichtsrechtlichen Standards unterliegt wie klassische Wertpapierverwahrer. Mit der Einbindung von Zodia Custody als regulierter Verwahrstelle und der Nutzung des Collateral-Mirroring-Modells für LMAX schafft Standard Chartered genau diese Brücke.
Die LMAX Group ist als institutioneller Handelsplatz für Devisen und digitale Vermögenswerte bekannt und bedient vor allem Banken, Broker und Asset Manager. Die Integration von RLUSD als Collateral in diesem Umfeld könnte die Liquidität für institutionelle Handelsstrategien verbessern, da Sicherheiten effizienter zwischen Handelsplattform und Verwahrstelle bewegt werden können, ohne dass physische Transfers notwendig sind.
Einordnung: Grossbanken bauen regulierte Krypto-Infrastruktur für Institutionen aus
Die Doppelankündigung von Standard Chartered – Custody-Expansion nach Singapur und RLUSD-Launch mit Ripple und LMAX – reiht sich in einen breiteren Trend ein: Traditionelle Grossbanken investieren zunehmend in regulierte Krypto-Infrastruktur, die explizit auf institutionelle statt auf Retail-Kunden ausgerichtet ist.
Ein vergleichbares Beispiel liefert BNY (Bank of New York Mellon), die ebenfalls Custody- und Staking-Dienste für den Stablecoin USDC anbietet. Beide Fälle zeigen ein ähnliches Muster: Etablierte, stark regulierte Finanzinstitute übernehmen schrittweise jene Funktionen – Verwahrung, Besicherung, Abwicklung –, die bislang überwiegend von spezialisierten Krypto-nativen Anbietern wahrgenommen wurden.
Für institutionelle Investoren bedeutet diese Entwicklung potenziell geringere Gegenparteirisiken, da sie digitale Vermögenswerte über Verwahrstellen halten können, die bereits strengen Bankenregulierungen unterliegen. Für die Krypto-Branche insgesamt signalisiert der Schritt eine fortschreitende Institutionalisierung: Stablecoins, tokenisierte Fonds und digitale Vermögenswerte rücken zunehmend in den regulären Werkzeugkasten globaler Bankinfrastruktur.
Ob und wie schnell die Singapur-Expansion von Standard Chartered die erforderliche regulatorische Genehmigung erhält, bleibt abzuwarten. Der parallele Live-Start der RLUSD-Custody in Dubai zeigt jedoch, dass die Bank das Momentum der vergangenen Wochen nutzt, um ihre Position im institutionellen Digital-Asset-Geschäft mehrgleisig auszubauen.




