Laravel Herd hat die lokale PHP-Entwicklung auf dem Mac so bequem gemacht, dass kaum noch jemand freiwillig zu Docker oder MAMP zurückwill. Das Problem: Herd ist proprietär, kommerziell lizenziert und läuft nur auf macOS und Windows. Flock will exakt diese Lücke besetzen – als komplett offene, kostenlose Alternative, die PHP, Node, Datenbanken, Mail-Catcher und HTTPS-Zertifikate nativ auf dem Rechner verwaltet. Kein Docker, keine VM, kein Account. Ich habe mir angeschaut, wie weit das Versprechen trägt.
Was Flock eigentlich macht
Flock ist ein einzelnes Binary, das als Hintergrunddienst (Daemon) läuft. Darüber hängen drei Schichten: ein eingebetteter Caddy-Webserver, der Anfragen an PHP-FPM (macOS) oder einen Pool von php-cgi-Workern (Windows) weiterleitet; ein eingebetteter DNS-Server, der jede .test-Domain sofort auflöst, ohne die Hosts-Datei anzufassen; und eine lokale Zertifizierungsstelle für vertrauenswürdiges HTTPS, deren Root-Zertifikat strikt auf die lokale TLD beschränkt ist. Dazu kommen Shims für php, composer, node, npm, npx und die Datenbank-Clients, die automatisch die im Projekt hinterlegte Version ziehen.
Projekte landen auf einer .test-Domain, entweder per “Parken” eines ganzen Ordners (jeder Unterordner wird automatisch zur eigenen Site) oder per “Link” für ein einzelnes Projekt. Bedient wird das Ganze über eine native App – Menüleiste auf dem Mac, Tray-Icon unter Windows – oder komplett per CLI, wobei beide Wege denselben Daemon ansprechen und synchron bleiben.
PHP-Versionen, Node und Datenbanken nebeneinander
Flock installiert PHP 8.1 bis 8.5 parallel (unter Windows zusätzlich 7.4 und 8.0), inklusive der gängigen Extensions und Xdebug per Klick. Die Version wird projektweise über eine .flockrc festgelegt, die sich problemlos ins Repo committen lässt – damit bekommt jeder im Team automatisch die richtige PHP-Version, ohne sie händisch einzustellen. Für Node funktioniert das Gleiche über .nvmrc.
Bei den Datenbanken ist die Auswahl größer als erwartet: PostgreSQL, MySQL, MariaDB und MongoDB, dazu Valkey, Redis, Meilisearch, Typesense und RustFS als Objektspeicher. Alles kommt als fertiges, signiertes Binary – nichts wird lokal kompiliert. Praktisch: Will man MySQL und MariaDB gleichzeitig laufen lassen, schlägt Flock automatisch einen alternativen Port vor, statt Portkonflikte zu produzieren.
Dump-Viewer, Mail-Catcher, Log-Viewer
Ein Detail, das im Alltag wirklich etwas bringt: dump() und dd() lassen sich direkt in ein eigenes Fenster von Flock umleiten, ganz ohne Code-Änderungen im Projekt. Statt Debug-Ausgaben zwischen Seiteninhalt und Terminal zu suchen, landen sie gesammelt in einer durchsuchbaren Timeline – inklusive Sprung zur passenden Stelle im Editor (PhpStorm, VS Code, Cursor, Zed werden unterstützt). Dazu kommen ein Mail-Catcher für ausgehende Mails im Entwicklungsbetrieb und ein Laravel-Log-Viewer. Nichts davon ist neu erfunden, aber es ist alles eingebaut, ohne zusätzliche Pakete oder Zeilen in der .env, die man wieder vergisst zu entfernen.
Nicht nur Laravel
Der Name “Flock” und die Startseite sind klar auf Laravel gemünzt, technisch ist das Tool aber nicht darauf beschränkt: Es bedient jedes Projekt mit einer public/index.php – also auch Symfony, Statamic oder Craft – und fällt für alles andere (reines PHP, statische Seiten) auf den Projektordner selbst zurück. Andere Sprachen sind laut Roadmap angedacht, aktuell bleibt es ein PHP-Werkzeug.
Die Einschränkungen, die man vor dem Umstieg kennen sollte
Drei Punkte, die in der Dokumentation zwar stehen, aber leicht übersehen werden:
- Kein Linux-Support. Flock läuft auf macOS 15 (Sequoia) oder neuer – und ausschließlich auf Apple-Silicon-Macs, Intel-Macs gehen leer aus. Unter Windows wird 10 (ab Version 2004) oder 11 in x64 vorausgesetzt.
- Flock befindet sich im Beta-Status (aktuell bei 1.0.0-beta.9). Für produktionsnahe Setups mit vielen parallelen Projekten sollte man das einkalkulieren – es ist kein jahrelang gereiftes Tool wie Herd.
- Es ist jung: Das GitHub-Repo zeigt eine sehr aktive, aber kurze Historie. Die Community-Infrastruktur (Issues, Discussions) existiert, ist aber naturgemäß noch klein im Vergleich zu etablierten Alternativen.
Lizenz und Kosten
Flock steht unter der AGPLv3 und ist komplett kostenlos – kein Pro-Tier, kein Account, keine Telemetrie-Pflicht. Für ein lokales Entwicklungstool ist die AGPL-Wahl bemerkenswert strikt (sie greift primär bei Netzwerk-Software), hier aber ohnehin unproblematisch, da man den Quellcode schlicht selbst nutzt.
Fazit
Flock macht genau das, was auf der Dose steht: Es bringt das Herd-Gefühl – PHP-Version wählen, Projekt verlinken, .test-Domain öffnen, fertig – in ein offenes, kostenloses Paket mit solider Datenbank- und Service-Auswahl. Der Dump-Viewer und die Versions-Pinning-Dateien sind die Features, die im Alltag am meisten bringen. Wer auf Apple Silicon oder aktuellem Windows unterwegs ist und lieber Open Source statt eine proprietäre App auf dem Rechner hat, bekommt hier einen ernstzunehmenden Ersatz – vorausgesetzt, man akzeptiert den Beta-Status und verzichtet (noch) auf Linux und Intel-Macs.




