Zwei Tage im Oktober 2026 genügten, um die Architektur von MySQL-Deployments neu zu sortieren. Am 20. und 21. Oktober veröffentlichte Oracle gleich drei GA-Releases auf einmal: MySQL 26.10 Innovation, MySQL 9.7.4 LTS und MySQL 8.4.13 LTS. Im Zentrum des Interesses steht dabei MySQL 26.10, weil hier Funktionen landen, die zuvor entweder gar nicht oder nur in kostenpflichtigen Varianten verfügbar waren. Für Backend-Entwickler, Datenbankadministratoren und DevOps-Teams ändert sich damit einiges an der täglichen Arbeit mit MySQL.
Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Neuerungen von MySQL 26.10 ein: von REST-Endpunkten direkt im Server über einen neuen Health Monitor in der Community Edition bis hin zu WebAuthn-Authentifizierung und erweiterten JSON-Duality-Views.
Inhaltsverzeichnis
Key Takeaways
- MySQL 26.10 integriert den MySQL REST Service (MRS) als native Server-Komponente, ein separater MySQL-Router-Prozess ist nicht mehr nötig.
- Der Health Monitor, bisher nur in MySQL HeatWave verfügbar, steht jetzt auch in der Community Edition bereit und überwacht Disk, Memory, CPU und Prozessdaten.
- WebAuthn-Authentifizierung ermöglicht passwortlose Multi-Faktor-Anmeldung per FIDO-Gerät, ebenfalls erstmals in der Community Edition.
- JSON Relational Duality Views erhalten neue CHECK/NO CHECK und UPDATE/NO UPDATE Annotationen für feinere Concurrency-Kontrolle.
- Parallel erschienen die Wartungsreleases MySQL 9.7.4 LTS und MySQL 8.4.13 LTS.
Was ist MySQL 26.10 überhaupt
MySQL 26.10 gehört zur sogenannten Innovation-Release-Linie. Im Unterschied zu den LTS-Versionen (Long Term Support) bringt diese Linie neue Funktionen schneller, aber mit kürzerem Support-Zyklus. Wer produktiv auf Stabilität setzt, bleibt oft bei LTS-Releases wie 9.7.4 oder 8.4.13. Wer jedoch an vorderster Front neue Features testen möchte, findet in MySQL 26.10 das richtige Testfeld für kommende LTS-Funktionen.
Die Oktober-2026-Releases sind laut Oracle MySQL Blog zeitgleich erschienen, was zeigt: Oracle pflegt beide Linien parallel weiter, verschiebt aber experimentelle Neuerungen konsequent zuerst in die Innovation-Reihe.
MySQL REST Service als Server-Komponente
Die wohl grösste strukturelle Änderung in MySQL 26.10 betrifft den MySQL REST Service, kurz MRS. Bisher musste für REST-Endpunkte ein separater MySQL-Router-Prozess betrieben werden. Mit MySQL 26.10 ist MRS direkt in den Server integriert.
Was sich für Entwickler ändert
Praktisch bedeutet das: HTTPS-Endpunkte lassen sich nun unmittelbar aus dem MySQL-Server heraus bereitstellen, ohne zusätzliche Infrastruktur. Konfigurierbar sind unter anderem:
- HTTPS-Port
- TLS-Zertifikat und zugehöriger Key
- Anzahl der Worker-Threads
- Connection-Limits
- Maximale Request- und Response-Grössen
Gesteuert wird der Dienst über SQL-Funktionen, die den MRS-Dienst starten, stoppen oder neu starten. Das reduziert den operativen Aufwand erheblich, da DBAs keine zusätzliche Komponente mehr patchen, überwachen oder separat absichern müssen.
"Ein separater MySQL-Router-Prozess ist für REST-Endpunkte nicht mehr erforderlich" – diese Vereinfachung dürfte vor allem kleinere Teams entlasten, die bislang zusätzliche Infrastruktur für API-Zugriffe auf Datenbankebene betreiben mussten.
Warum das für DevOps relevant ist
Für DevOps-Teams reduziert sich die Anzahl der zu betreibenden Prozesse. Weniger Komponenten bedeuten weniger Angriffsfläche, weniger Monitoring-Ziele und weniger Deployment-Schritte in CI/CD-Pipelines. Gleichzeitig bleibt die Konfiguration granular genug, um Worker-Threads und Limits an die jeweilige Last anzupassen.
Health Monitor kommt in die Community Edition
Eine der praxisrelevantesten Neuerungen in MySQL 26.10 ist der Health Monitor. Diese Funktion war bislang exklusiv Teil von MySQL HeatWave. Mit dem aktuellen Release steht sie erstmals auch in der kostenlosen Community Edition zur Verfügung.
Funktionsumfang
Der Health Monitor überwacht:
- Festplattenauslastung (Disk)
- Arbeitsspeicher (Memory)
- Prozessorlast (CPU)
- MySQL-Prozessinformationen über das Performance Schema
Besonders erwähnenswert ist der Disk-Forecast: Das System prognostiziert, wann Speicherplatz knapp werden könnte, bevor es tatsächlich zu einem Engpass kommt.
Plattformunterstützung im Überblick
Die erste Community-Version des Health Monitors unterstützt die Plattformen unterschiedlich stark. Folgende Tabelle fasst den aktuellen Stand zusammen:
| Plattform | Unterstützung |
|---|---|
| Linux | Vollständige Unterstützung |
| macOS | Nur Basis-Metriken: Memory, Filesystem, CPU |
| Windows | In diesem Release nicht unterstützt |
Wichtig für den Betrieb: Das sogenannte Low-Disk-Space-Fencing ist standardmässig deaktiviert. DBAs, die automatische Schutzmechanismen gegen vollgelaufene Festplatten nutzen möchten, müssen diese Funktion aktiv einschalten.
Praktischer Nutzen für DBAs
Für Datenbankadministratoren bedeutet der Health Monitor eine einfachere Frühwarnung bei Ressourcenengpässen, ohne auf externe Monitoring-Tools angewiesen zu sein. Das Performance Schema liefert dabei die Datenbasis, auf der die Metriken aufbauen – ein bekanntes und bereits etabliertes MySQL-Werkzeug.
WebAuthn-Authentifizierung für mehr Sicherheit
Sicherheit ist ein weiterer Schwerpunkt von MySQL 26.10. Das Plugin authentication_webauthn steht nun ebenfalls in der Community Edition bereit.
Was WebAuthn konkret ermöglicht
WebAuthn basiert auf FIDO-Geräten und erlaubt:
- Multi-Faktor-Authentifizierung mit physischem Sicherheitsschlüssel
- Passwortlose Anmeldung an der Datenbank
- Reduziertes Risiko durch Phishing oder gestohlene Zugangsdaten
Für Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen ist das ein wichtiger Baustein. Datenbankzugriffe gehören zu den sensibelsten Punkten in jeder IT-Infrastruktur, und eine zusätzliche, hardwarebasierte Absicherung senkt das Risiko unautorisierter Zugriffe deutlich.
Einordnung für DBAs
Die Einführung in die Community Edition bedeutet, dass auch Teams ohne Enterprise-Lizenz von moderner Authentifizierungstechnologie profitieren. Das Plugin lässt sich wie andere Authentifizierungs-Plugins in MySQL konfigurieren und in bestehende Identitätskonzepte integrieren.
JSON Relational Duality Views: Feinere Kontrolle
JSON Relational Duality Views verbinden relationale Tabellen mit JSON-Dokumenten und ermöglichen es, Daten sowohl relational als auch dokumentenorientiert zu bearbeiten. MySQL 26.10 erweitert dieses Konzept um neue Annotationen:
- CHECK / NO CHECK: Steuert, ob Concurrency-Checks per ETAG durchgeführt werden.
- UPDATE / NO UPDATE: Legt fest, ob bestimmte Felder überhaupt aktualisiert werden dürfen.
Warum das für Entwickler wichtig ist
Diese Annotationen geben Backend-Entwicklern feinere Kontrolle darüber, wie konsistent und veränderbar einzelne Felder in einer Duality View sind. Statt pauschaler Regeln für die gesamte View lassen sich nun gezielt Felder von Concurrency-Checks ausnehmen oder als schreibgeschützt markieren. Das ist besonders nützlich bei Feldern, die automatisch generiert werden oder aus Audit-Gründen unverändert bleiben sollen.
Parallel veröffentlichte LTS-Versionen
Neben MySQL 26.10 erschienen am selben Wochenende zwei LTS-Wartungsreleases:
| Release | Typ | Fokus |
|---|---|---|
| MySQL 9.7.4 LTS | Long Term Support | Stabilität, Bugfixes |
| MySQL 8.4.13 LTS | Long Term Support | Stabilität, Bugfixes |
| MySQL 26.10 | Innovation | Neue Funktionen |
Für produktive Systeme mit hohen Stabilitätsanforderungen bleiben die LTS-Linien die sicherere Wahl. MySQL 26.10 eignet sich eher für Entwicklungsumgebungen, Proof-of-Concepts und Teams, die neue Features früh evaluieren möchten, bevor sie möglicherweise in eine zukünftige LTS-Version übernommen werden.
Was bedeutet das für die Praxis
Für unterschiedliche Rollen ergeben sich unterschiedliche Prioritäten bei MySQL 26.10: In der vorherigen MySQL-26.7-Ausgabe hatten wir bereits die Umstellung auf die neue Kalender-Versionierung eingeordnet.
- Backend-Entwickler profitieren vor allem vom integrierten MySQL REST Service und den erweiterten Duality-View-Annotationen, da beide Funktionen direkte Auswirkungen auf API-Design und Datenmodellierung haben.
- Datenbankadministratoren sollten sich mit dem Health Monitor vertraut machen, insbesondere mit dem standardmässig deaktivierten Low-Disk-Space-Fencing, um keine falsche Sicherheit anzunehmen.
- DevOps-Teams können durch den Wegfall des separaten Router-Prozesses für MRS ihre Infrastruktur vereinfachen und Deployment-Pipelines entsprechend anpassen.
- Sicherheitsverantwortliche sollten prüfen, ob WebAuthn in bestehende Authentifizierungsstrategien integriert werden kann.
Fazit und nächste Schritte
MySQL 26.10 zeigt deutlich, wohin sich die Plattform entwickelt: weniger externe Zusatzkomponenten, mehr integrierte Funktionen direkt im Server, und gleichzeitig eine Demokratisierung von Features, die bisher Enterprise- oder HeatWave-Kunden vorbehalten waren. Der Health Monitor und die WebAuthn-Unterstützung in der Community Edition sind dabei die wohl bedeutendsten Signale: Oracle öffnet Funktionen, die zuvor zahlenden Kunden vorbehalten waren, für die breite Nutzerbasis.
Für den Einstieg empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- MySQL 26.10 zunächst in einer Testumgebung installieren, nicht direkt produktiv.
- Den MySQL REST Service testweise konfigurieren und mit der bisherigen Router-basierten Lösung vergleichen.
- Health Monitor aktivieren und Low-Disk-Space-Fencing bewusst konfigurieren, falls automatischer Schutz gewünscht ist.
- WebAuthn-Plugin in einer isolierten Umgebung testen, bevor es unternehmensweit ausgerollt wird.
- Bestehende JSON Duality Views auf mögliche Vorteile durch die neuen CHECK/UPDATE-Annotationen prüfen.
Wer MySQL produktiv einsetzt, sollte die Release Notes von Oracle im Blick behalten und die neuen Funktionen von MySQL 26.10 schrittweise evaluieren, bevor eine Migration auf eine zukünftige LTS-Version mit diesen Features ansteht.


