To-do-Listen gibt es wie Sand am Meer – aber die meisten lösen nur die Hälfte des Problems. Sie sammeln Aufgaben, sagen aber nichts darüber, wann man sie erledigt oder wie viel Zeit sie tatsächlich kosten. Genau hier setzt Super Productivity an: eine komplett kostenlose, Open-Source-Anwendung, die klassisches Task-Management mit Timeboxing und Zeiterfassung in einem Tool verbindet – ohne Account, ohne Abo, ohne Datensammlung.
Mit über 22.000 Sternen auf GitHub und einer aktiven Community aus mehr als 245 Mitwirkenden gehört das Projekt zu den bekanntesten Open-Source-Alternativen zu kommerziellen Tools wie Todoist, TickTick oder Notion. Diese Review schaut sich an, was Super Productivity wirklich kann, wo die Grenzen liegen und für wen es sich lohnt.
Inhaltsverzeichnis
Bild: “Time management” von Osamu Uchida, Lizenz CC BY 2.0 (Lizenztext), Quelle: Wikimedia Commons
Was ist Super Productivity?
Super Productivity ist ein fortschrittlicher To-Do-Manager mit integriertem Timeboxing und Zeiterfassung. Das Projekt wurde 2017 gestartet und wird seither kontinuierlich weiterentwickelt. Die Lizenz ist MIT – damit ist die Software uneingeschränkt kostenlos nutzbar, der Quellcode offen einsehbar und jeder kann ihn verändern oder selbst hosten. Es gibt kein Freemium-Modell, keine Paywall für Kernfunktionen und keine Pflicht zur Registrierung. Nutzer entscheiden selbst, wo ihre Daten liegen.
Kernfeatures im Detail
Aufgabenverwaltung: Sub-Tasks, Projekte, Tags
Aufgaben lassen sich in Sub-Tasks zerlegen, in Projekte gruppieren und mit farbcodierten Tags versehen. Das macht auch größere Vorhaben mit vielen Einzelschritten übersichtlich, ohne dass man auf ein separates Projektmanagement-Tool wechseln muss.
Timeboxing und Zeiterfassung
Das Herzstück der App: Aufgaben werden nicht nur erfasst, sondern direkt im Tagesplan verzeitlicht. Parallel läuft die Zeiterfassung mit, aus der sich exportierbare Arbeitszeitberichte erzeugen lassen – praktisch für alle, die Stunden gegenüber Kunden oder dem Arbeitgeber dokumentieren müssen.
Fokus- und Gewohnheitstools
Eine Pausenerinnerung sorgt dafür, dass man nicht stundenlang ohne Unterbrechung durcharbeitet. Das Anti-Prokrastinations-Feature hilft, bei Aufschieberitis wieder Perspektive zu gewinnen. Für konzentriertes Arbeiten gibt es einen Fokus-Modus mit Pomodoro-Timer, und persönliche Metriken zeigen über Zeit, welche Arbeitsroutinen angepasst werden sollten.
Integrationen für Entwickler-Workflows
Besonders stark ist die Anbindung an Entwickler-Tools: Jira, Trello, GitHub, GitLab, Gitea, OpenProject, Linear, ClickUp und Azure DevOps werden unterstützt. Zugewiesene Tasks lassen sich automatisch importieren, lokal detailliert planen, und Änderungen an Tickets werden per Benachrichtigung gemeldet. Worklogs werden automatisch erzeugt – ein echter Zeitgewinn gegenüber manuellem Zeiterfassen in mehreren Tools parallel. Dazu kommt eine Basis-CalDAV-Integration für Kalenderabgleich.
Sync, Backup und Erweiterbarkeit
Für die Synchronisation zwischen Geräten gibt es den eigenen, Ende-zu-Ende-verschlüsselten Dienst SuperSync (auch selbst hostbar), außerdem Unterstützung für Dropbox und WebDAV. Ein Plugin-System und Custom Themes erlauben es, die App zu erweitern und optisch anzupassen. Abgerundet wird das Paket durch Notizen, Datei-Anhänge und projektbezogene Bookmarks für Links, Dateien oder Befehle.
Für wen ist Super Productivity geeignet?
Die Integrationen und das Timeboxing-Konzept machen die App besonders attraktiv für Entwickler, die Tickets aus Jira, GitHub oder GitLab direkt in ihren Tagesplan ziehen und automatisch Worklogs erzeugen wollen. Freelancer profitieren von der exportierbaren Zeiterfassung für Kundenabrechnungen. Nutzer mit ADHS oder generell fokus-schwachen Tagen berichten in der Community häufig, dass die Kombination aus Pausenerinnerung, Anti-Prokrastinations-Feature und Pomodoro-Fokus-Modus tatsächlich hilft, strukturierter durch den Tag zu kommen. Wer dagegen nur eine simple Haken-Liste ohne Zeitbezug sucht, bekommt hier eher mehr Werkzeug, als nötig ist.
Installation und Plattformen
Super Productivity läuft praktisch überall: als Web-App direkt im Browser (app.super-productivity.com), als Desktop-App für Windows, macOS und Linux (per Electron gebaut, zusätzlich über Flathub und den Snap Store für Linux verfügbar), sowie mobil über Android (Play Store, F-Droid, Obtainium) und iOS (App Store). Die Installation ist in der Regel in unter einer Minute erledigt, ein Account ist nirgends erforderlich. Laut dem offiziellen Wiki hat die Web-Version im Vergleich zur Desktop-Version allerdings ein paar Einschränkungen – wer alle Funktionen will, sollte die Desktop-Variante bevorzugen.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- Komplett kostenlos, MIT-lizenziert, dauerhaft Open Source
- Keine Datensammlung, kein Account-Zwang, volle Kontrolle über den Speicherort der Daten
- Timeboxing und Zeiterfassung sind nativ integriert, nicht nachgerüstet
- Breite, tiefe Integration in Entwickler-Tools (Jira, GitHub, GitLab u.v.m.)
- Läuft auf praktisch jeder Plattform, inklusive selbst hostbarem Sync
- Aktive Community mit über 245 Mitwirkenden und regelmäßigen Updates
Nachteile
- Die Feature-Fülle erzeugt eine gewisse Lernkurve – wer nur eine einfache To-Do-Liste will, muss sich erst durch Timeboxing, Tags, Projekte und Integrationen klicken
- Die Web-Version ist laut offiziellem Wiki funktional abgespeckt gegenüber der Desktop-App
- Recurring Tasks (wiederkehrende Aufgaben) werden in der Community wiederholt als verbesserungswürdig genannt
- Kein offizieller Support-Kanal im klassischen Sinn – Hilfe läuft über GitHub Discussions, Reddit und Community-Kanäle
Vergleich zu bekannten Alternativen
Gegenüber Todoist und TickTick punktet Super Productivity vor allem durch die native Zeiterfassung und die Entwickler-Integrationen – beide Platzhirsche bieten zwar ebenfalls Produktivitätsfeatures, sind aber primär reine To-Do-Apps mit Abo-Modell für erweiterte Funktionen. Notion ist als All-in-One-Workspace deutlich breiter aufgestellt (Datenbanken, Wikis, Teamdokumente), dafür aber auch komplexer einzurichten und nicht auf Timeboxing fokussiert. Super Productivity ist im Vergleich schlanker fokussiert: Es ist in erster Linie ein persönliches Task- und Zeitmanagement-Werkzeug, kein Team-Wiki oder CRM-Ersatz. Wer eine dauerhaft kostenlose, datensparsame Lösung ohne Abo-Zwang sucht, bekommt mit Super Productivity funktional mehr als bei den meisten kostenlosen Tarifen der Konkurrenz.
Fazit
Super Productivity ist eine der überzeugendsten Open-Source-Antworten auf die Frage, wie eine To-Do-App mit echtem Zeitbezug aussehen kann. Für Entwickler und Freelancer, die ihre Tickets und Arbeitszeit an einem Ort verwalten wollen, ist es aktuell eine der stärksten kostenlosen Optionen überhaupt – gerade wegen der Tiefe der Integrationen und der Tatsache, dass die eigenen Daten nie das eigene Gerät (oder den selbst gewählten Sync-Dienst) verlassen müssen. Wer nur eine minimalistische Haken-Liste sucht, wird von der Funktionsfülle eher überfordert sein. Für alle anderen lohnt sich der Blick definitiv – ein Test kostet nichts außer ein paar Minuten Einrichtungszeit.
Quelle und Download: github.com/super-productivity/super-productivity
FAQ
Ist Super Productivity wirklich kostenlos?
Ja. Super Productivity ist unter der MIT-Lizenz komplett kostenlos und Open Source, ohne Freemium-Modell oder Paywall für Kernfunktionen.
Braucht man einen Account, um Super Productivity zu nutzen?
Nein, es ist kein Account oder Registrierung nötig. Nutzer entscheiden selbst, wo ihre Daten gespeichert werden.
Auf welchen Plattformen läuft Super Productivity?
Als Web-App im Browser, als Desktop-App für Windows, macOS und Linux (über Flathub und Snap Store), sowie als App für Android (Play Store, F-Droid, Obtainium) und iOS (App Store).
Welche Integrationen bietet Super Productivity für Entwickler?
Jira, Trello, GitHub, GitLab, Gitea, OpenProject, Linear, ClickUp, Azure DevOps sowie eine Basis-CalDAV-Integration werden unterstützt, inklusive automatischem Task-Import und Worklogs.
Wie synchronisiert Super Productivity Daten zwischen Geräten?
Über den eigenen Ende-zu-Ende-verschlüsselten Dienst SuperSync (auch selbst hostbar), alternativ über Dropbox oder WebDAV.




