Ein Video, drei funktionierende Roboter, ein vierter mit kurzer Verzögerung und am Ende über 20.000 Vorbestellungen binnen weniger Tage: Selten hat ein einzelner Bühnenauftritt so schnell ein Produkt zum Gesprächsthema gemacht wie die GTC-Berlin-Keynote von Nvidia-Chef Jensen Huang am 21. Oktober 2026. Im Zentrum steht der Microduck Roboter, ein kniehoher zweibeiniger Mini-Roboter, der innerhalb weniger Tage vom Nischenprodukt zum viralen Phänomen wurde.
Der Microduck Roboter stammt von Pollen Robotics, einem französischen Robotik-Team, das inzwischen zu Hugging Face und damit zu Nvidia gehört. Was zunächst wie eine weitere Spielerei auf einer Tech-Messe wirkte, entwickelte sich binnen 48 Stunden zu einem der meistdiskutierten Hardware-Launches des Jahres 2026.
Inhaltsverzeichnis
Key Takeaways
- Der Microduck Roboter ist ein 25 cm grosser, unter 800 Gramm leichter zweibeiniger Mini-Roboter von Pollen Robotics (Bordeaux), dem Robotik-Team von Hugging Face.
- Nvidia übernahm Hugging Face im September 2026 für rund 12,9 Milliarden US-Dollar; Pollen Robotics wurde bereits 2025 von Hugging Face gekauft.
- Bei der GTC-Berlin-Keynote am 21. Oktober 2026 liess Jensen Huang mehrere Microducks live Kommandos ausführen, darunter Sitzen, ein simuliertes Nickerchen und einen Salto.
- Laut Hugging-Face-CEO Clem Delangue überstiegen die Vorbestellungen am 23. Oktober 2026 die Marke von 20.000 Einheiten.
- Wichtig: Es handelt sich um Vorbestellungen, nicht um abgeschlossene Verkäufe, und die Zahl stammt von Hugging Face selbst.
Was ist der Microduck Roboter genau?
Der Microduck Roboter ist Pollen Robotics zweiter Consumer-Roboter nach dem Reachy Mini. Mit einer Groesse von 25 Zentimetern und einem Gewicht von unter 800 Gramm passt er bequem auf einen Schreibtisch. Trotz der kompakten Masse steckt im Inneren eine beachtliche technische Ausstattung.
Der Roboter verfügt über 15 Motoren, die seine Beweglichkeit steuern, sowie eine Frontkamera und einen kompakten Tiefensensor (LiDAR) zur Umgebungserfassung. Zwei IMUs (Inertial Measurement Units) sorgen für Balance und Lageerkennung, während ein beweglicher Schnabel das Greifen kleiner Objekte ermöglicht. Mikrofone und Lautsprecher erlauben einfache akustische Interaktion, WLAN, Bluetooth und zwei NFC-Antennen sichern die Konnektivität.
Als Prozessor kommt ein Rockchip RK3566 mit integriertem KI-Beschleuniger zum Einsatz, unterstützt von 1 GB RAM und 32 GB Speicher. Die Energieversorgung übernimmt ein 2600-mAh-Wechselakku, der für rund eine Stunde Laufzeit ausgelegt ist.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Spezifikation |
|---|---|
| Groesse | ca. 25 cm |
| Gewicht | unter 800 Gramm |
| Motoren | 15 |
| Prozessor | Rockchip RK3566 mit KI-Beschleuniger |
| Speicher | 1 GB RAM, 32 GB Speicher |
| Akku | 2600 mAh, Wechselakku, ca. 1 Stunde Laufzeit |
| Konnektivität | WLAN, Bluetooth, 2x NFC |
| Sensorik | Frontkamera, LiDAR, 2x IMU, Mikrofone |
Die Vorgeschichte: Von INRIA-Spinout zu Nvidia-Tochter
Um die aktuelle Dynamik rund um den Microduck Roboter zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Firmengeschichte. Pollen Robotics wurde 2016 als Ausgründung des französischen Forschungsinstituts INRIA in Bordeaux gegründet. Das Unternehmen spezialisierte sich frühzeitig auf humanoide und zweibeinige Roboter mit Fokus auf offene Software-Architekturen.
2025 übernahm Hugging Face, die bekannte Plattform für Open-Source-KI-Modelle, das französische Robotik-Team vollständig. Der nächste grosse Schritt folgte im September 2026: Nvidia kaufte Hugging Face für rund 12,9 Milliarden US-Dollar. Damit landete auch Pollen Robotics und sein Mini-Roboter-Projekt unter dem Dach des Chip-Giganten.
Diese Konstellation erklärt, warum ausgerechnet Jensen Huang den Roboter auf einer Nvidia-Keynote präsentierte. Das passt zu Nvidias umfassender KI-Partnerschaftsstrategie in Deutschland. Der Microduck Roboter ist damit nicht nur ein Consumer-Gadget, sondern auch ein Aushängeschild für Nvidias Strategie, KI-Hardware und Robotik-Software enger zu verzahnen.
Bewegungsfähigkeiten und KI-Training
Ein zentrales Verkaufsargument des Microduck Roboters ist seine Bewegungsintelligenz. Der Roboter wird mit sieben vortrainierten Bewegungen ausgeliefert:
- Gehen
- Sitzen
- Stehen
- Nickerchen-Simulation
- Salto
- sowie weitere Grundbewegungen
Diese Bewegungen wurden mittels Reinforcement Learning in Nvidia-Simulationen trainiert, bevor sie auf die reale Hardware übertragen wurden. Dieses sogenannte Sim-to-Real-Verfahren gilt in der Robotik-Forschung als effizienter Weg, komplexe Bewegungsabläufe zu erlernen, ohne den physischen Roboter unzähligen Testläufen auszusetzen.
Besitzer können zudem eigene Tricks trainieren und diese mit der Community teilen. Die Software des Microduck Roboters ist Open Source, was Entwicklern erlaubt, eigene Anwendungen und Bewegungsmuster zu programmieren. Die Hardware-Design-Dateien selbst bleiben allerdings nicht offen zugänglich.
"Pay attention, stay focused" – mit diesen Worten musste Jensen Huang laut Reuters-Berichten einen der vier Microducks auf der Bühne zusätzlich auffordern, bevor dieser die gewünschte Bewegung ausführte.
Der virale Moment: Jensen Huangs GTC-Berlin-Auftritt
Am 21. Oktober 2026 präsentierte Jensen Huang bei seiner Keynote auf der GTC Berlin eine Gruppe von Microducks live auf der Bühne. Auf Kommando sollten die Roboter sitzen, ein Nickerchen simulieren und einen Salto ausführen. Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters funktionierte dies bei drei der vier Roboter sofort und ohne Probleme.
Ein vierter Roboter brauchte eine zusätzliche verbale Aufforderung, bevor er reagierte – ein kleiner, aber einprägsamer Moment, der sich schnell online verbreitete. Genau diese Mischung aus beeindruckender Technik und einem menschlich-charmanten Hoppala machte den Clip zum viralen Hit.
Vom viralen Clip zu 20.000 Vorbestellungen
Die Vorbestellungen für den Microduck Roboter waren bereits am 27. August 2026 gestartet, lange vor dem Berliner Bühnenauftritt. Der Preis wurde mit 399 US-Dollar angesetzt, exklusive Steuern und Versand. Erste Lieferungen für Nordamerika und Europa werden noch vor Weihnachten 2026 erwartet.
Doch erst der virale Moment auf der GTC Berlin brachte den entscheidenden Schub. Hugging-Face-CEO Clem Delangue gab am 23. Oktober 2026 über die Plattform X (ehemals Twitter) bekannt, dass die Vorbestellungen bereits am Tag nach dem viralen Video die Marke von 20.000 Einheiten überschritten hatten. Delangue äußerte dabei die Vermutung, der Microduck Roboter könne sich zum meistverkauften Roboter des Jahres entwickeln.
Ein wichtiger Fairness-Hinweis
Bei aller Euphorie lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Zahlen. Die genannten 20.000 Einheiten stammen ausschliesslich aus einer Eigenangabe von Hugging Face selbst, eine unabhängige Bestätigung liegt nicht vor. Zudem handelt es sich um Vorbestellungen beziehungsweise Reservierungen, nicht um abgeschlossene, bezahlte Verkäufe.
Hinzu kommt ein logistischer Faktor: Die Auslieferung von zehntausenden physischen Robotern innerhalb von rund zwei Monaten – von Ende Oktober bis vor Weihnachten 2026 – stellt eine deutlich größere Herausforderung dar als die reine Entgegennahme von Online-Bestellungen. Produktionskapazitäten, Lieferketten und Qualitätskontrolle müssen in diesem Zeitfenster reibungslos funktionieren, damit aus der Vorbestellungswelle tatsächlich zufriedene Kunden werden.
Farbvarianten und Zubehör
Zum Marktstart ist der Microduck Roboter in vier Farbvarianten erhältlich, jeweils mit unterschiedlichen Akzentfarben:
- Cream
- Graphite
- Lavender
- Sky
Für Interessenten, die den Funktionsumfang erweitern möchten, bietet Pollen Robotics drei Zubehörpakete an:
| Zubehör | Preis |
|---|---|
| Charger Pack | 39 USD |
| Dev Pack | 119 USD |
| Accessory Pack | 39 USD |
Das Dev Pack dürfte vor allem für Entwickler interessant sein, die eigene Anwendungen oder Bewegungsmuster für den Microduck Roboter programmieren möchten, während Charger und Accessory Pack eher den praktischen Alltagsgebrauch unterstützen.
Einordnung: Warum der Hype gerechtfertigt erscheint – und wo Vorsicht geboten ist
Der Erfolg des Microduck Roboters lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Erstens steht hinter dem Produkt mit Nvidia und Hugging Face eine Kombination aus Hardware-Know-how und offener KI-Community, die in der Robotik-Branche selten in dieser Form auftritt. Zweitens traf der virale Bühnenmoment einen Nerv: Ein kleiner, süßer Roboter, der auf Kommando reagiert und dabei sogar einen charmanten kleinen Fehler zeigt, ist für ein breites Publikum zugänglicher als abstrakte Industrierobotik.
Gleichzeitig bleibt die Marktrealität abzuwarten. Vorbestellungszahlen sind ein Frühindikator für Interesse, aber kein Beweis für nachhaltigen kommerziellen Erfolg. Ob Pollen Robotics und Nvidia die Produktions- und Lieferkapazitäten rechtzeitig vor Weihnachten 2026 aufbauen können, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.
Fazit
Der Microduck Roboter hat es geschafft, innerhalb weniger Tage von einem Nischenprodukt zu einem der meistdiskutierten Tech-Launches des Jahres 2026 zu werden. Die Kombination aus kompakter, gut durchdachter Hardware, offener Software-Philosophie und einem viralen Bühnenmoment bei der GTC Berlin hat eine Dynamik erzeugt, die selbst die Verantwortlichen bei Hugging Face überrascht zu haben scheint.
Für technikinteressierte Leserinnen und Leser in Deutschland lohnt sich in den kommenden Wochen ein genauer Blick auf zwei Entwicklungen: Zum einen, ob die Vorbestellungszahlen weiter steigen und sich in tatsächliche Auslieferungen umwandeln lassen. Zum anderen, wie sich die Community rund um selbst trainierte Bewegungsmuster entwickelt – schliesslich ist genau diese offene, erweiterbare Natur des Microduck Roboters eines seiner stärksten Argumente gegenüber geschlossenen Konkurrenzprodukten. Wer sich für eine Vorbestellung interessiert, sollte die offiziellen Liefertermine und Versandbedingungen genau prüfen, bevor die Weihnachtssaison 2026 beginnt.


