Zwischen dem 6. und 8. Oktober 2026 bewegte die US-Regierung rund 17.795 Bitcoin – umgerechnet etwa 1,5 Milliarden US-Dollar – aus beschlagnahmten Bitfinex-Hacker-Wallets zu Coinbase Prime. On-Chain-Daten zeigen: Es handelte sich nicht um einen Verkauf, sondern um einen routinemäßigen Custody-Transfer.
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Drei Tranchen, ein Ziel: Coinbase Prime
Laut einer forensischen On-Chain-Analyse von btc.network wurden die Gelder in drei klar abgrenzbaren Tranchen bewegt. Die Wallets, die Arkham Intelligence als „US Government: Bitfinex Hacker Seized Funds” kennzeichnet, schickten die Mittel schrittweise an Adressen von Coinbase Prime, der institutionellen Handels- und Verwahrplattform der Börse Coinbase. Die größte Einzeltransaktion der Serie umfasste 12.267 BTC und wurde in Block 970.496 am 8. Oktober verbucht – allerdings an unlabeled Adressen, nicht direkt an eine erkennbare Exchange-Einzahladresse. Das ist ein wichtiges Detail: Ein tatsächlicher Verkaufsvorgang würde in der Regel über klar identifizierbare Exchange-Hot-Wallets laufen, nicht über neutrale Zwischenadressen.
Warum Coinbase Prime kein Zufall ist
Der Transfer fällt nicht aus heiterem Himmel. Das US Marshals Service (USMS), die Bundesbehörde, die beschlagnahmte Vermögenswerte verwaltet, unterhält seit Juli 2024 einen Custody-Vertrag mit Coinbase Prime im Volumen von 32,5 Millionen US-Dollar. Coinbase Prime bietet institutionellen Kunden – von Hedgefonds bis zu Staatsbehörden – eine regulierte Infrastruktur für die sichere Verwahrung, den Handel und die Abwicklung großer Krypto-Bestände. Eine Bewegung in Richtung dieser Plattform ist damit kein Hinweis auf einen bevorstehenden Verkauf an Endanleger, sondern ein Wechsel der Verwahrstelle innerhalb der etablierten behördlichen Infrastruktur.
Das Mempool als forensischer Zeuge
Der vielleicht stärkste Beleg gegen die Verkaufsthese liefert nicht die Transaktionshistorie selbst, sondern der Zustand des Bitcoin-Netzwerks während der Transfers. Zwischen dem 7. und 9. Oktober lagen die Transaktionsgebühren im Netzwerk bei lediglich rund 1 bis 1,4 Satoshi pro virtuellem Byte (sat/vB) – ein auffällig niedriger Wert. Gleichzeitig blieb das Mempool, also der Wartebereich für unbestätigte Transaktionen, mit rund 0,67 bis 1,18 Megabyte außergewöhnlich dünn.
Wer unter Zeitdruck oder zur Vermeidung einer Zwangsliquidation große Bitcoin-Mengen bewegen muss, zahlt in der Regel deutlich höhere Gebühren, um eine schnelle Bestätigung zu erzwingen. Niedrige Gebühren und ein dünnes Mempool sprechen dagegen für eine geplante, unter keinem Zeitdruck stehende Operation – das Gegenteil eines panischen oder erzwungenen Verkaufs.
Der Bitcoin-Preis fiel trotzdem – aber nicht deswegen
Trotz der fehlenden Verkaufsindizien fiel der Bitcoin-Kurs im selben Zeitraum deutlich: von 85.780 US-Dollar am 6. Oktober auf ein Tief von 80.425 US-Dollar am 8. Oktober, ein Rückgang von 6,3 Prozent. Die Ursache lag jedoch nicht im Regierungstransfer, sondern in einer Kaskade aus zwei anderen Marktbewegungen.
Erstens löste eine Welle von Zwangsliquidationen gehebelter Long-Positionen Verkäufe im Volumen von rund 1,09 Milliarden US-Dollar aus – ein klassischer Dominoeffekt, bei dem fallende Preise automatisierte Nachschussforderungen und Zwangsschließungen bei Derivatehändlern auslösen. Zweitens verzeichneten US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs erhebliche Mittelabflüsse: Am 7. Oktober flossen netto 484,9 Millionen US-Dollar ab, der schlechteste Tag seit Juni. Am 8. Oktober folgten weitere 244,1 Millionen US-Dollar Abfluss, davon 207,7 Millionen US-Dollar allein aus BlackRocks IBIT und 197,1 Millionen US-Dollar aus Fidelitys FBTC.
Die Erholung als zusätzliches Indiz
Besonders aufschlussreich ist die Entwicklung am 9. Oktober: Der Bitcoin-Preis erholte sich leicht auf 82.546 US-Dollar, und die ETF-Flüsse drehten ins Positive – plus 21,1 Millionen US-Dollar Nettozufluss. Wäre der Regierungstransfer tatsächlich Vorbote eines großangelegten Verkaufs gewesen, hätte der Markt kaum zeitgleich mit genau jenen Tagen in eine Erholungsphase übergehen können, an denen die größten Einzeltranchen bereits abgeschlossen waren. Die zeitliche Korrelation stützt die These, dass Marktteilnehmer den Custody-Transfer nicht als bearishes Signal interpretierten, sobald die zugrunde liegenden On-Chain-Daten öffentlich einsehbar wurden.
Was bedeutet das für Anleger?
Die Episode ist ein Lehrstück dafür, wie wichtig die Unterscheidung zwischen On-Chain-Bewegung und tatsächlichem Marktverkauf ist. Nicht jede große Wallet-Transaktion signalisiert bevorstehenden Verkaufsdruck. Adressen, die als „Regierung” oder „Seizure” gekennzeichnet sind, folgen oft internen Verwaltungs- und Rechtsprozessen, die mit der Marktlogik wenig zu tun haben. Wer Kursbewegungen korrekt einordnen will, sollte neben der bloßen Transaktionsgröße immer auch Gebührenniveau, Mempool-Auslastung und das tatsächliche Transaktionsziel (Exchange-Hot-Wallet vs. unlabeled Adresse) berücksichtigen.
Für die US-Regierung bleibt Bitcoin derweil eine der größten Bilanzpositionen überhaupt: Selbst nach den Oktober-Transfers hält Washington weiterhin schätzungsweise zwischen 320.000 und 328.000 BTC – ein Bestand im Wert von rund 25,5 bis 27,5 Milliarden US-Dollar und die größte bekannte staatliche Bitcoin-Position weltweit.




